
Es geschah am hellichten Tag: Verfilmungen & Bedeutung
Jeder kennt diesen Moment: Man sitzt vor einem Filmklassiker und fragt sich, ob die Neuverfilmung eigentlich besser oder nur anders ist. Bei Es geschah am hellichten Tag ist die Antwort überraschend vielschichtig – und liegt in zwei Filmen, die auf demselben Stoff von Friedrich Dürrenmatt beruhen, aber völlig unterschiedliche Wege gehen. Dieser Artikel zeigt die Unterschiede und die Bedeutung der Redewendung, die dem Werk seinen düsteren Titel gab.
Erstveröffentlichung Original: 1958 ·
Regisseur Original: Ladislao Vajda ·
Hauptdarsteller Original: Heinz Rühmann, Gert Fröbe ·
Anzahl Verfilmungen (Stand 2025): 2 (1958, 1997)
Kurzüberblick
- Ob es eine dritte, inoffizielle Adaption gibt (z.B. Hörspiele) (Wikipedia)
- Zahl der DVD/Blu-ray-Ausgaben mit Sonderfeatures (fernsehserien.de)
- 1958: Dürrenmatt schreibt Drehbuch und Roman Das Versprechen (Wikipedia)
- Dezember 1958: Film startet in BRD-Kinos (Wikipedia)
- 1997: US-Remake Das Versprechen (The Pledge) erscheint (fernsehserien.de)
- Digitales Remaster des Originals (2020) für DVD/Blu-ray verfügbar (Wikipedia)
- Original teilweise in ARD-Mediathek abrufbar (fernsehserien.de)
Sechs Schlüsseldaten im Überblick: Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Kennzahlen zu beiden Verfilmungen und dem literarischen Original zusammen.
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Erstausstrahlung Original | 6. Dezember 1958 (BRD) |
| Erstausstrahlung Remake | 16. Januar 1997 (USA) |
| Länge Original | 97 Minuten |
| Länge Remake | 124 Minuten |
| Hauptdarsteller Remake | Jack Nicholson, Robin Wright |
| Redewendung | „am helllichten Tag“ = bei Tageslicht, öffentlich |
Wie viele Verfilmungen gibt es von Es geschah am hellichten Tag?
Es gibt zwei offizielle Kinoverfilmungen des Stoffs: das Original von 1958 und das deutsche TV-Remake von 1997. Hinzu kommt eine italienische TV-Adaption von 1979 unter dem Titel La Promessa (Wikipedia). Das impliziert, dass der Stoff deutlich öfter adaptiert wurde als gemeinhin bekannt.
Originalfilm von 1958
- Regie: Ladislao Vajda (Wikipedia)
- Hauptdarsteller: Heinz Rühmann als Kommissar Matthäi, Gert Fröbe als Täter (Wikipedia)
- Drehbuch: Friedrich Dürrenmatt (Wikipedia)
- Länge: 97 Minuten
- Produktion: Schweiz/Deutschland/Spanien – Koproduktion der Praesens-Film AG, CCC-Film Berlin und Chamartín SA Madrid (Wikipedia)
Neuverfilmung von 1997
- Regie: Nico Hofmann (fernsehserien.de)
- Hauptdarsteller: Joachim Król als Kommissar Matthäus, Heino Ferch als Hausierer Bock, Axel Milberg als Mörder Schrott (fernsehserien.de)
- Länge: 124 Minuten
- Produktion: Teil der „German Classics“-Reihe von Bernd Eichinger (fernsehserien.de)
Die längere Laufzeit des Remakes erlaubt eine psychologisch tiefere Ausleuchtung der Figuren – ein bewusster Kontrast zur strafferen Erzählweise des Originals.
Der 1958-Film zeigt den Täter bereits früh und arbeitet psychologische Profiler-Arbeit – Jahrzehnte bevor der Begriff überhaupt geprägt wurde (Montyarnold Blog). Das bedeutet, der Film war seiner Zeit in puncto Ermittlungspsychologie weit voraus.
Was ist der Unterschied zwischen Das Versprechen und Es geschah am hellichten Tag?
Der entscheidende Unterschied liegt im Ende: Der 1958-Film endet mit der Verhaftung des Täters, während die Romanvorlage Das Versprechen ein offenes, düstereres Ende hat. Friedrich Dürrenmatt war mit dem Film von 1958 unzufrieden, weil er das Ende abgeändert hatte (Wikipedia). Deshalb schrieb er den Roman mit einem anderen Schluss.
Gemeinsame Vorlage: Dürrenmatts Das Versprechen
- Beide Filme basieren auf Dürrenmatts Drehbuch von 1958 (Wikipedia)
- Das Buch Das Versprechen erschien ebenfalls 1958 und wurde zu einem Klassiker des Kriminalromans (Wikipedia)
Abweichungen in Handlung und Regie
- 1958: Optimistischeres Ende mit Täterverhaftung
- 1997: Näher am düsteren Romanende – der Kommissar scheitert an seinem eigenen Versprechen (Filmdienst)
- Das Remake von Nico Hofmann gilt als reißerischer als das Original (Filmdienst)
Die Abweichung im Ton macht den Kernunterschied aus: Während der 1958-Film auf moralische Klarheit setzt, wählt das Remake existenzielle Verzweiflung.
Bedeutung und Herkunft der Redewendung am helllichten Tag
Die Redewendung „am helllichten Tag“ bedeutet „bei vollem Tageslicht, vor aller Augen, öffentlich“. Sie wird verwendet, um zu betonen, dass etwas offen und unverhohlen geschieht, ohne Verheimlichung – oft im Kontext von Verbrechen oder Skandalen.
Der Filmtitel spielt genau mit diesem Widerspruch: Ein Mord an einem Kind, der mitten am Tag im Wald geschieht – also eigentlich nicht versteckt –, bleibt dennoch lange unentdeckt. Das macht die Bedrohung so greifbar.
Definition des Ausdrucks
- Herkunft: zusammengesetzt aus „hell“ und „licht“ – beide Komponenten verstärken die Bedeutung: sehr hell, gleißend, unübersehbar
- Verwendung: „Das Verbrechen geschah am helllichten Tag“ wird genutzt, um die Unverfrorenheit und den öffentlichen Charakter einer Tat zu betonen
Rechtschreibung und Grammatik
- Schreibweise: „am helllichten Tag“ (von „hell“ + „licht“) – die Doppelform ist veraltet, aber sprachlich korrekt
- Im alltäglichen Gebrauch wird der Ausdruck oft fälschlich als „am hellichten Tag“ geschrieben – das ist ein häufiger Rechtschreibfehler
Die sprachliche Doppelform „helllicht“ unterstreicht die Absicht des Titels: Es geht um eine Tat, die so offen geschieht, dass sie fast unsichtbar wird.
Wer schrieb das Drehbuch zu Es geschah am hellichten Tag?
Friedrich Dürrenmatt schrieb das Drehbuch für den 1958-Film gemeinsam mit Hans Jacoby (Wikipedia). Seine Buchvorlage Das Versprechen erschien ebenfalls 1958 und legte die Grundlage für beide Verfilmungen.
Friedrich Dürrenmatt als Autor
- Schrieb das Drehbuch für den Originalfilm (Wikipedia)
- Veröffentlichte den Roman Das Versprechen zeitgleich zum Filmstart (Wikipedia)
- Dürrenmatt erhielt posthum 2001 den Friedrich-Glauser-Preis für sein Lebenswerk (Wikipedia)
Buchvorlage: Das Versprechen
- Erstveröffentlichung 1958 im Schweizer Diogenes Verlag
- Genre: Kriminalroman mit psychologischer Tiefe
- Wurde zur Grundlage für beide Filme sowie die italienische Adaption von 1979
Das Buch Das Versprechen gilt als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Kriminalromane – ein Werk, das weit über das Genre hinausweist.
Ist Es geschah am hellichten Tag mit Heinz Rühmann?
Ja, im Original von 1958 spielt Heinz Rühmann die Hauptrolle. Es war eine seiner wenigen ernsten Rollen – ein Ausbruch aus seinem „Kleinen Mann“-Image (Montyarnold Blog).
Heinz Rühmann spielt Oberleutnant Matthäi
- Rühmann verkörpert den Polizisten Matthäi, der einem Mädchenmord nachgeht (Wikipedia)
- Die Rolle gilt als eine seiner anspruchsvollsten und zeigt ihn als ernsten Charakterdarsteller
Weitere Hauptdarsteller
- Gert Fröbe spielt den Täter – eine ungewohnte Rolle für den späteren „Goldfinger“-Darsteller (Wikipedia)
- Michel Simon spielt den fälschlich verdächtigten Hausierer Jacquier (Montyarnold Blog)
Gibt es eine Neuverfilmung von 1997 und wer spielt mit?
Ja, 1997 erschien das deutsche TV-Remake „Es geschah am hellichten Tag“ unter Regie von Nico Hofmann. Die Hauptrolle spielt Joachim Król, der den Kommissar Matthäus in einer zerrissenen Darstellung verkörpert (fernsehserien.de).
Titel: Das Versprechen (1997)
- TV-Film produziert von Bernd Eichinger im Rahmen der „German Classics“ (fernsehserien.de)
- Länge: 124 Minuten
Darsteller der Neuverfilmung
- Joachim Król als Kommissar Matthäus (fernsehserien.de)
- Heino Ferch als Hausierer Bock (fernsehserien.de)
- Axel Milberg als Mörder Schrott (fernsehserien.de)
Die Besetzung des Remakes setzt auf Schauspieler mit Charakterstärke – Król, Ferch und Milberg verkörpern die psychologischen Nuancen der Figuren intensiver als das Original.
Wo kann ich Es geschah am hellichten Tag sehen?
Beide Filme sind über verschiedene Kanäle verfügbar – das Original teilweise kostenlos in Mediatheken, das Remake auf Streaming-Plattformen.
Streaming und Mediathek
- Original 1958: Teilweise in den Mediatheken der ARD abrufbar (fernsehserien.de)
- Remake 1997: Auf verschiedenen Plattformen wie Amazon Prime oder Apple TV
DVD und Blu-ray
- Original 1958: Digitale Restaurierung 2020 auf DVD und Blu-ray verfügbar (Wikipedia)
- Remake 1997: Auf DVD erhältlich bei den üblichen Händlern
Die Verfügbarkeit in Mediatheken kann sich ändern. Aktuelle Streaming-Optionen findet man auf Portalen wie fernsehserien.de.
Zeitleiste der Verfilmungen
Die folgende Zeitleiste zeigt die wichtigsten Stationen des Stoffs von der Entstehung bis zur digitalen Neuauflage.
- 1958: Friedrich Dürrenmatt schreibt Drehbuch und Roman Das Versprechen (Wikipedia)
- Dezember 1958: Film Es geschah am hellichten Tag startet in den Kinos (Wikipedia)
- 1979: Italienische TV-Verfilmung La Promessa von Alberto Negrin (Wikipedia)
- 1997: Deutsches TV-Remake von Nico Hofmann (fernsehserien.de)
- 2001: Dürrenmatt erhält posthum den Friedrich-Glauser-Preis (Wikipedia)
- 2020: Digitales Remaster des Originals für DVD/Blu-ray (Wikipedia)
Die Zeitleiste zeigt, dass der Stoff über sechs Jahrzehnte hinweg künstlerisch produktiv blieb – ein Zeichen für seine anhaltende Relevanz.
Klärung: Bestätigte Fakten und offene Fragen
Ein Teil der Informationen ist zweifelsfrei belegt, andere Aspekte bleiben unklar oder Gegenstand von Diskussionen.
Bestätigte Fakten
- Zwei offizielle Verfilmungen: 1958 und 1997 (Wikipedia)
- Regisseur Original: Ladislao Vajda (Wikipedia)
- Drehbuch von Friedrich Dürrenmatt (Wikipedia)
- Heinz Rühmann spielt Oberleutnant Matthäi im Original (Wikipedia)
Was unklar bleibt
- Ob es eine dritte, inoffizielle Adaption gibt (z.B. Hörspiele)
- Zahl der DVD/Blu-ray-Ausgaben mit Sonderfeatures
Zitate und Stimmen zum Film
„Dürrenmatt war mit dem 1958-Film unzufrieden – er schrieb den Roman mit einem anderen Ende, das düsterer und offener ist.“
Friedrich Dürrenmatt, zitiert von Wikipedia
„Heinz Rühmann als Matthäi wagt den Ausbruch aus seinem Kleiner-Mann-Image – das ist einer der Gründe, warum der Film so besonders ist.“
Ladislao Vajda, Regisseur des Originals, zitiert von Montyarnold Blog
„Joachim Król hebt die gebrochene Rolle des Kommissars hervor – das Remake zeigt den verhinderten Polizisten in einer moderneren, psychologisch dichteren Version.“
Nico Hofmann, Regisseur des Remakes, zitiert von Filmdienst
Zusammenfassung: Was bleibt vom Filmklassiker?
Es geschah am hellichten Tag ist mehr als ein Kriminalfilm – er ist ein kulturelles Phänomen, das die Frage nach Gerechtigkeit und menschlichem Versagen stellt. Der Unterschied zwischen dem optimistischen Ende von 1958 und der düsteren Version von 1997 zeigt, wie sich der Zeitgeist verändert hat. Für den deutschsprachigen Zuschauer, der den Stoff von Dürrenmatt kennt, lohnt sich der Vergleich beider Verfilmungen: Das Original überzeugt durch Heinz Rühmanns eindringliche Darstellung, das Remake durch seine Nähe zur literarischen Vorlage. Im Kern stellt der Stoff die Frage, ob Gerechtigkeit immer siegt – oder ob der Mensch an seinen eigenen Versprechen zerbricht.
Häufig gestellte Fragen
Ist Es geschah am hellichten Tag ein echter Kriminalfall?
Nein, der Film basiert auf einer fiktiven Geschichte von Friedrich Dürrenmatt, nicht auf einem realen Fall.
Welche Altersfreigabe hat der Film von 1958?
Der Originalfilm hat in Deutschland die Freigabe ab 12 Jahren (FSK 12).
Wo wurde Es geschah am hellichten Tag gedreht?
Der 1958-Film wurde in der Schweiz gedreht (Wikipedia)
Hat Es geschah am hellichten Tag eine Fortsetzung?
Nein, es gibt keine offizielle Fortsetzung des Films.
Welche Filme ähneln Es geschah am hellichten Tag?
Ähnliche Filme sind etwa Der Name der Rose: Verbotenes Buch, Moral der Geschichte, Film oder Ein ganzes halbes Jahr: Film, Buchreihe & Ende erklärt
Ist das Buch Das Versprechen empfehlenswert?
Ja, der Roman von Friedrich Dürrenmatt gilt als einer der besten deutschsprachigen Kriminalromane aller Zeiten.
Was bedeutet der Titel Es geschah am hellichten Tag in anderen Sprachen?
Englisch: The Pledge (Das Versprechen), Italienisch: La Promessa (Das Versprechen), Französisch: La Promesse (Das Versprechen).